Historie - Chronik - 1900: Schlosserinnung

100 Jahre Innung Metall Augsburg

Durch die Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts wurden eine Reihe von Gewerben und Gewerken immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Andererseits entstanden dadurch auch Handwerkszweige, die auf die neuen Techniken und Zukunft bauten.

Wiedergründung der "Schlosser-Innung Augsburg"

Im Bereich der Metallhandwerker entwickelten sich damals z.B die Berufe des Kraftfahrzeug-, Land- und Büromaschinenmechaniker oder auch des Heizungsbauers. Das Handwerkerschutzgesetz von 1897 ermöglichte die Gründung von Handwerkskammern wie sie im Jahr 1900 in Augsburg erfolgte. Damit war erstmals ein Zusammenschluß der Handwerker eines Bezirks möglich. Noch im gleichen Jahr 1900 wurde die Wiedergründung der "Schlosser-Innung Augsburg" beschlossen.

Von der Gründungsversammlung sind keine direkten Aufzeichnungen vorhanden. Aus dem Adressbuch Augsburg lassen sich als Obermeister August Stör und als dessen Stellvertreter Remigius Henning herauslesen. 1904 heißt der neue Obermeister Xaver Weiß.

"Freie Schlosserinnung"

Am 18. Juli 1906 gaben ortsansässige Schlossermeister ein Schreiben heraus, welches eine 10%-ige Lohnerhöhung versprach "genehmigt unter Beibehaltung der bisherigen 56-stündigen Arbeitszeit pro Woche".Im Jahre 1909 wurde die Innung in "Freie Schlosserinnung" umbenannt. Am 9. Februar 1912 erfolgte die Neuwahl des Vorstandes mit Obermeister Remigius Henning. Stellvertreter Hans Groß wurde acht Monate später von Karl Eichleiter abgelöst.

Der erste Weltkrieg zeigt seine Folgen auch in der Chronik der "Freien Schlosser-Innung": Von 1913 bis Kriegsende 1918 fehlt jeder Eintrag. Am 26. April 1918 wurde Josef Huber zum Obermeister gewählt, jedoch bereits ein Jahr später fand er in Wilhelm Gerum am 26. April 1919 einen neuen Nachfolger. Über schwierigste Zeiten hinweg, die Inflation und Arbeitslosigkeit umfaßten, konnte Wilhelm Gerum die Innung führen, wobei mit Durchsetzungskraft und Humor ein Zusammenhalt geschaffen wurde, der am besten mit einer Notiz aus dem Jahr 1922 zu beschreiben ist: Am 7. Januar feierte die Innung einen gemütlichen Abend unter dem Motto: "Wenn an jedes böse Maut ein Schloß müßt angehängt werden, dann wär die edle schlosserzunft dieerste Zunft auf Erden".

Es war selbstverständlich, daß damit die meisten Mitglieder aufs Korn genommen wurden. Auch das 25-jährige Jubiläum der Freien Schlosser-Innung Augsburg am 14. März 1925 wurde trotz der schlechten Zeiten gebührend gefeiert.

"Vereinigung der Schlossermeistersöhne"

Der "Vereinigung der Schlossermeisterssöhne" war nur eine kurze Dauer beschieden. Nach der Gründungsversammlung am 11. Februar 1930 war schon im Herbst 1933 das Ende nahe, weil vereinheitlichte Organisationsformen üblich wurden.

1932 übernahm Georg Kollmann das Amt des Obermeisters und führte es bis zu seinem allzufrühen Tod im Jahr 1939. Sein Stellvertreter war Willhelm Gerum jun., der dieser Funktion über 29 Jahre bis 1961 innehatte.

"Schlosser- und Maschinenbauer-Innung Augsburg"

Am 22. August 1934 wurde im Zuge der ersten Verordnung zum Aufbau des Handwerks die Innung in "Schlosser- und Maschinenbauer-Innung Augsburg" umbenannt und die Zwangsmitgliedschaft eingeführt. Danach verblieben nur noch wenige friedliche Jahre, bis im zweiten Weltkrieg viele Mitglieder, deren Familien und Mitarbeiter ihr Leben lassen mußten.

Viele seiner Innungsfirmen unterstützte der neue Obermeister Gotthilf Bauer, der nach seiner Wahl am 17. Juni 1939 dieses Amt während des ganzen Krieges beibehielt. Er versorgte die Handwerkskollegen mit Arbeit, konnte sie damit teilweise vor einer Einberufung zur Wehrmacht schützen.

 

Weiter: Nach 1945 - Wirtschaftswunder

Zurück: 1368 - Die Schlosserzunft

Schmiede Neubaur in Aichach
Schmiede Neubaur in Aichach
Foto von F.Achter:
"Aichach in alten Ansichten", 1992

Schmiedemeister Andreas Prokosch in seiner Werkstatt
Schmiedemeister Prokosch
in seiner Werkstatt
Foto privat

Innenhof der Schlosserei Gerhard, Augsburg, Oberhausen
Innenhof der Schlosserei Gerhard, Augsburg, Oberhausen
Foto privat

Jakob Matza Maschinenbau
Jakob Matza 1926
Foto von
www.mw-maschinenbau.de