Historie - Chronik - 1368: Die Schlosserzunft

Entwicklung und Blütezeit der alten Schlosserzunft

Schlosser gibt es nicht erst seit 100 Jahren. Deswegen sei an dieser Stelle ein Rückblick auf Jahre und Jahrhunderte erlaubt, die auch durch Schmiede und Schlosser stark geprägt wurden. Die Geschichte der Schlosser-Innung in den vorausgehenden Jahrhunderten kann an drei Eckdaten festgehalten werden:

1. Die Zunfterhebung am 23. Oktober 1368:

Zunfterhebung in Augsburg mit Erwähnung der Schmiede, die sich mit vier anderen Handwerkszünften zusammenschließt "die mit dem Feuer arbeiten", das waren die Glaser, Maler, Bildschnitzer und Goldschläger. Natürlich gab es auch vorher schon diesen Berufsstand: Urkundlich erwähnt erstmals anno 1348 als "Slozzer" im Nürnberger Einwohnerverzeichnis. Und im Stadtarchiv Augsburg findet sich nebenstehende Handschrift von 1453, die "das gantz handwerck der schlosser hie zu augspurg" erwähnt: Seit fast 550 Jahren sind also die Schlosser schon urkundlich nachgewiesen! Darüber hinaus hat die Handwerkskunst der Schlosser und Schmiede der freien Reichsstadt Augsburg zu weltweitem Ruhm verholfen. In der Blütezeit des Handwerks im 14. Jahrhundert gab es diesen aussagekräftigen Spruch: "Hätt' ich Venediger Macht und Augsburger Pracht, Nürnberger Witz, Straßburger Geschütz und Ulmer Geld, wär ich ein Herr der ganzen Welt!"

Bereits im Jahr 1536 zählt die Zunft der Schmiede in Augsburg 341 Mitglieder.

2. Verbot der Zunftregierungen am 3. August 1548:

Kaiser Karl V. verbietet die allzu stark werdenden Zunftregierungen. Ein paar Jahre später befiehlt er zudem die Vernichtung aller Zunftbücher, was für die Handwerkschronik der Stadt katastrophale Folgen hatte. Die Innungen mußten sich neu gruppieren. So schloß sich die Rotschmiede-Zunft mit anderen Handwerkern zur "Einigung", heute Innung genannt, zusammen. Eine Aufzeichnung von 1549 zählt außer den Schmieden und Schlossern noch die Büchsenmacher, Uhrmacher, Windenmacher, Feilenhauer, Kannengießer, Nagelschmiede, Sporer, Messer-, Kupfer- und Kesselschmiede, Schwertfeger und andere Handwerker auf, "so sie mit dem Hammer arbeiten".

Anno 1562 gehörten zur Innung auch 22 Plattnermeister, d. h. Harnischmacher. Unter den Plattnerv glänzte vor allem Colman Helmschmied. Verschiedene von ihm geschaffene Rüstungen bewahrt heute die Armeria in Madrid auf. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Desiderius, ebenfalls ein berühmter Plattner, die Anfertigung der Rüstungen.

Eine Gliederung der steuerzahlenden Augsburger Metallbetriebe sah im Jahre 1610 folgendermaßen aus:
Frauenvorstadt 33 Betriebe
Jakobervorstadt 50 Betriebe
Lechviertel 123 Betriebe
Oberstadt 10 Betriebe

3. Augsburg fällt an Bayern am 1. Januar 1806.

Die freie Reichstadt Augsburg wird eingegliedert in das neue Königreich Bayern. In der Folge gab es auch positive Auswirkungen des Übergangs in den bayerischen Staatsverband. So konnten manche Metallhandwerker Rohstoffe aus bayerischen Gebieten schneller und billiger in die Stadt bringen. Außerdem waren von den 36 wahlberechtigten Bevollmächtigten im Jahre 1836 immerhin 20 Handwerker vertreten.

1868 wurde in Bayern ein Verbot der Innungen und Gewerbevereine verkündet, von da an bestand Gewerbefreiheit. Das hatte am 18. Mai 1868 die Auflösung der Schlosserinnung Augsburg zur Folge. Dreizehn Jahre dauerte diese für die Handwerksbetriebe schwierige Zeit, bis 1881 die Wiederzulassung der Innungen durch Reichsgesetz erfolgte. Daraufhin gründete sich am 11.09.1885 die Schlosser-Innung Augsburg neu durch 22 hiesige Schlossermeister unter Führung des Obermeister August Stör und seines Stellvertreters Anton Bobfinger. Aber auch diesem Innungsabschnitt waren nur 14 Jahre vergönnt, da sie sich 1899 aufgrund der Abänderung der Gewerbeordnung auflöste.

Das war das Ende der Schlosser-Innung im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig waren damit die Voraussetzungen geschaffen für die Geschichte der zukünftigen Innung Metall Augsburg.

 

Weiter: 1900 - Schlosserinnung


Altes Zunftzeichen der Schmiede 

Renaissance Schloß
Altes Schloß, Renaissance
Renaissance-Schloß 1550